Insiderstories

Marokkos flüssiges Gold 

 

Ganze Herden von Eselstuten soll sich Kleopatra geleistet haben, um ihre Haut täglich in deren Milch zu baden. Ein Schönheitskult, so radikal und märchenhaft, dass er bis in unsere Zeit Nachahmerinnen findet. Nur, dass die Kleopatras von heute ihr eigenes Wundermittel gefunden haben: das Öl des Arganbaumes.

In der Luxusklasse der Naturkosmetik ist das „marokkanische Gold“ der neue Shootingstar. Seine Inhaltsstoffe bremsen die Zellalterung, glätten Falten, speichern Feuchtigkeit, reparieren Haare. Argan ist das älteste Anti-Aging-Gel der Welt, rezeptfrei und ohne Nebenwirkungen. Hätte die legendäre Ägypterkönigin das Elixier damals kennen gelernt – ihre Esel hätten sofort großen Amphoren Platz machen müssen. So aber dauerte es bis in die 1990er Jahre, bis das Öl international entdeckt wurde. Und zwar zunächst für die Sternegastronomie.

Abgestumpfte Berufsgourmets, die bei Kaviar einen Gähnanfall bekommen und bei Trüffeln müde abwinken, konnte man als Pariser Cuisiner d´Étoiles endlich mit neuer Raffinesse verblüffen. Vor allem die aus angerösteten Kernen gewonnene Ölvariante machte mit ihrem subtilen Nussaroma Blitzkarriere im Repertoire der Edelzutaten. Heute können es die Franzosen kaum fassen, dass sie ihrem geliebten Huile d´Argan nicht schon 150 Jahre früher auf die Schliche gekommen sind. Tausende von Arganien zersägten sie damals in Marokko, um daraus ihre Kriegsfregatten zu zimmern. Doch selbst der französische Feinsinn fürs Kulinarische war lange Zeit blind für den wahren Wert der Pflanze.

Es ist dieses Versteckspiel zwischen Natur und Mensch, das den noblen Charme der Arganfrucht ausmacht. Ihr kostbarer Inhalt will, wie die Perle in der Auster, gefunden und erbeutet werden. Geduldig wartend auf die, die ihrer würdig sind. So blieb das wertvolle Öl über Jahrhunderte das Privatgeheimnis marokkanischer Berberfrauen. Bei ihnen scheint sich die Arganpflanze so wohl zu fühlen, dass sie sich weigert, irgendwo anders zu wachsen. Und selbst den Berberinnen spendet sie ihr Öl nur mit zickigem Widerwillen.

Wer die Früchte abpflücken will, scheitert schon mal an einer Wolke aus dolchscharfen Dornen. Beim Herunterschütteln würden die Blüten mit abfallen, weshalb ein königlicher Erlass das Schütteln von Arganien ausdrücklich verbietet. Sind die Früchte dann schließlich von selbst abgefallen und einzeln aufgesammelt, beginnt die Knochenarbeit. Arganöl kann nicht aus dem Fruchtfleisch gewonnen werden – nur aus dem Samen. Die granitharten Kerne, gegen die sich Haselnüsse wie Marshmallows anfühlen, werden einzeln von Hand aufgeschlagen. Von 30 Kilo Früchten bleiben 4,5 Kilo Kerne, und daraus liefert die Presse tropfenweise einen einzigen Liter Öl. Unverschnittenes Arganöl hat daher immer einen Preis, der stolz ist wie die Berber. Ist es wirklich so viel wert?

Ein echter Globetrotter des Luxus hat seine eigene Art, das zu überprüfen. Er wird das Flugzeug nehmen bis nach Marrakesch und sich im 6-Sterne-Komfort des gerade eröffneten Palasthotels Royal Mansour bequem einrichten. Von hier aus wird er sich per Auto aufmachen zu den Amazigh-Berbern in die Provinz Souss-Massa-Draa, wo die meisten Arganbäume stehen. Er wird bei einer der vielen Produktionsgenossenschaften an die Tür klopfen, und wenn diese sich öffnet, in beneidenswert glatte Gesichter schauen.

Das Royal Mansour wurde erst 2010 im Altstadtzentrum von Marrakesch eröffnet. Die Gäste logieren in Riads, den traditionell orientalischen Stadtvillen mit Dachpool.

Hier zum Angebot

Sofitel Marrakesch,
Marokko 6

Das exklusive Haus mit luxuriösem, marokkanischem Ambiente liegt am Ortsrand von Marrakesch, zu Füßen des Hohen Atlas.

Hotelinformationen