Beratung & Buchung

Vita des Autoren

Marc Bielefeld, 44, ist freier Autor in Hamburg und schreibt unter anderem für die Die Zeit, die Süddeutsche Zeitung, mare und Merian. Für seine Reise- und Abenteuer-Reportagen geht er immer wieder auf Reisen in alle Welt. Auf Hawaii hat er ein halbes Jahr verbracht. Aus gutem Grund. Wenn er nicht arbeitet, weilt er am liebsten im oder auf dem Meer. Beim Tauchen, Segeln oder Surfen.

Wortreisen

Im Sog des Lichts
von Marc Bielefeld

 

Im Sog des Lichts von Marc Bielefeld Das Phänomen verachtet die Sprache, entzieht sich ihr. Als würden Worte und menschliche Logik dieser Begebenheit nicht beikommen können. Wie dieses wundersame Schauspiel auch beschreiben? Dieses seltsame Wirken der Sonne, des Himmels, der Wolken, des Meeres. Immerhin geht es hier um das Ungreifbare. Nicht Wasser, nicht Erde, nicht Feuer. Es geht ums Licht! Ungemein klar, gleißend und scharf sei es hier unten – sagen die einen. Vielmehr warm, weich und von geradezu champagnerhaftem Charakter – behaupten andere. Der Maler Henri Matisse fand seine eigenen Worte, nachdem er entschlossen hatte, für immer an der Côte d’Azur zu leben. Matisse rief aus: „Als mir bewusst wurde, dass ich jeden Morgen dieses Licht wieder sehen werde, konnte ich mein Glück kaum fassen.“ Das Licht der blauen Küste hat schon viele bezirzt. Dieser unnachahmliche Süden Frankreichs mit seinen kleinen Dörfern, den sanften Bergen und kleinen Buchten und diesem blau glitzernden Meer. Aber glitzert nicht jedes Meer blau? Nein, tut es nicht. Kein Meer ist so blau wie das Mittelmeer. Hat das mal jemand bewusst gesehen? Trunken macht einen seine Farbe. Und sein Licht.

Guy de Maupassant kam als einer der ersten. Er sah und verliebte sich. „In diese kleinen Städtchen, wie Muscheln ins Meer getaucht, ernährt vom Fisch und der Meeresluft.“ So beschrieb der französische Schriftsteller die Côte d’Azur, speziell das St. Tropez des 19. Jahrhunderts. Doch nicht etwa das Klima, die Menschen oder die milde See lockten ihn am meisten. Tatsächlich war es das einmalige Licht, das auch ihn verzauberte. Zuvor hatte es schon den Maler und leidenschaftlichen Segler Paul Signac an die Küste südlich der Alpes Maritimes verschlagen. Signac gilt als Entdecker dieses verschlafenen Eden. Und auch er war fasziniert von jenem Phänomen, dem die Küste bis heute ihren Ruf verdankt: Das Licht der Riviera, welches die Welt anstreicht wie kein anderes Fleckchen der Erde. Bald kamen all die anderen. Picasso, Renoir, Chagall. Pierre Bonnard, Georges Braque, Raoul Dufy. Menschen, die vom Licht leben, für das Licht leben. Ohne das rechte Licht wären die berühmten Maler verstummt, verdammt, verblasst.

Doch dieses Südfrankreich blühte vor ihren Augen! Sie alle waren begeistert von dem intensiven und zugleich weichen Licht der Côte d'Azur. Bald tummelten sich die ganz großen Künstler hier, flanierten über die Märkte der Region, saßen nächtelang zusammen bei gutem Wein und frischen Austern – tagsüber aber standen sie mit ihren Staffeleien in den Gärten, an den Fischerhäfen oder am Meer und versuchten, dieses Licht einzufangen. Berühmte Bilder sind entstanden. Picasso, Chagall und Monet verewigten die Landschaft, es war bald vom „Chemin des Peintres“ die Rede, der Route der großen Meister.

Das Meer bei Cap d’Antibes, das verschlafen in die Berge gebettete Dorf Mougin, Heimat Picassos, oder die Felsen bei Port Grimaud. Und dann sind da noch Nizza und Cannes, die Diven der Küste. Sicher, alles schön und gut – aber erst das Licht sorgt für die Magie. Das Licht malt die Erde hier anders an. An der Côte d’Azur ist das Licht von einer Reinheit, die einen niemals betrügt.

Woran mag es liegen, dass das Licht ausgerechnet hier zur Höchstform aufläuft? Viele machen das Klima verantwortlich. Gutes trockenes Wetter, das linde feuchte Meer stets in greifbarer Nähe. Hinzu kommt die Nähe der Berge, der Alpen; klare kältere Luftmassen, die sich mit der Luft des Südens vereinen, nicht selten sogar mit den heißen Wüstenwinden Afrikas verschmelzen. Sorgt das einzigartige Klima für das unbeschreibliche Licht? Eine eindeutige Antwort gibt es bis heute nicht. Die Wissenschaft des Lichts muss erst noch begründet werden. So besonders jedoch scheint das Licht im Süden Frankreichs beschaffen, dass ein Paul Cézanne und ein Claude Monet sogar mit ihm kämpften. Das Licht sei gleißend und unnachgiebig, sagte Monet. „Wer an der Côte d’Azur malen will, muss statt mit dem Pinsel mit Gold und Edelsteinen malen.“ Wie viele haben schon nach Metaphern gesucht, nach Bildern und sprachlichen Wendungen, um das Licht der Côte d’Azur zu beschreiben? Alles für die Katz. Die Sprache scheint diesem Licht nicht gewachsen. Es ist zu klar, zu weich, zu warm, zu scharf, zu wahr. Das Licht ist das Licht. Das Licht der französischen Riviera ist für unsere Augen gemacht, nicht für unseren Verstand.

 

Hier zum Angebot

Le Mas Candille,
Frankreich 6

Das fantasievoll umgebaute provenzalische Landhaus (Mas) aus dem 18. Jahrhundert garantiert eine private, legere Atmosphäre.

Hotelinformationen