Beratung & Buchung

Vita des Autoren

Autor Stefan Nink fliegt, fährt und läuft für Magazine, Radiostationen und Buchverlage über den Planeten. Er hat Geschichte und Politikwissenschaft studiert (Schwerpunkt "Internationales Krisenmanagement"), bei der ARD volontiert und schreibt neben Reisethemen auch Essays, Kolumnen, Porträts und Techniktexte. Seine Reportagen wurden vielfach ausgezeichnet und in 17 Sprachen übersetzt. Zur Zeit arbeitet er an einem Reise-Roman und mehreren Internetprojekten. Online ist er unter www.roadkicks.com zu finden, sein von GEO gehosteter Reise-Blog "47 Tukane" unter www.47tukane.de. Wenn er zuhause ist, lebt er in Mainz und steht samstags bei Heimspielen von Mainz05 im P-Block.

Wortreisen

Melodie einer Metropole
von Stefan Nink

 

Komm her, hierhin, ganz nah heran an die Klippe - hier, versteckt zwischen den Eukalyptusbäumen, gleich hinter der Tramstation auf dem Victoria Peak: Hier steht eine Bank. Später, wenn die Touristen anrücken, bekommt man hier nie einen Platz, und furchtbar laut ist es dann auch. Jetzt aber, am frühen Morgen, ist man allein auf dieser Bank. Komm also her und setz dich! Setz dich, und schau mit mir auf diese Stadt! Es ist halb Sechs am Morgen, nicht mehr richtig Nacht, noch nicht richtig Tag, die Minuten des Ausatmens und Innehaltens, die Zeit des lautlosen Handgemenges zwischen Dunkel und Hell. Kannst Du hören, wie Hongkong erwacht? Ein Gemurmel aus tuckernden Schiffsdieseln, Autohupen und ersten Presslufthämmern steigt von unten die Felsen hinauf auf den Hausberg der Stadt, des immer noch wachsenden, expandierenden, in die Höhe strebenden Hongkongs. Es ist kein Lärm, den man hier oben hören kann, eher ein Rauschen, gleichmäßig, beinahe sanft - als könne man dem eigenen Blut in den Adern lauschen, so hört sich das an. Wie ein Pulsschlag. Wie ein Strom. Oder ein ferner Wasserfall. Als ob sich alle Geräusche der Metropole zu einem großen Ganzen vereinigt hätten, das Klingeln der Wecker, das Zischen der Teekessel, das Knistern der Straßenbahnleitungen, das Absatzklappern und Kistenstapeln und Bremsenquietschen, und jedes in diesem Augenblick gesprochene Wort und jedes Kinderlachen und jedes Liebesseufzen. Es ist, als sitze man oberhalb eines gigantischen Malstroms und könne seine Energie greifen.

Und jetzt? Jetzt geht die Sonne auf. Sieh, was sie mit der Stadt anstellt! Der Dunst im Hafen löst sich auf, nun kann man ein Mosaik aus großen und kleinen Schiffen sehen, die gekräuselte Wellen wie Kometenschweife hinter sich herziehen. Das da drüben, auf der anderen Seite, das ist Kowloon. Weiter hinten, in den New Territories, liegen die Schlafstädte wie schwere Schatten; dahinter, im pastellfarbenem Dunst, die Berge Chinas. Und von unten, vom Fuße unseres Berges, von dort wächst ein Steckbrett aus Wolkenkratzern in die Höhe. Gerade eben sahen die Skyscraper im bleichen Morgenlicht noch aus, als hätte sie jemand in einen Pyjama aus grauem, zerknittertem Stanniol gewickelt - jetzt aber leuchten sie, als habe ein unsichtbarer Regisseur eimerweise Goldlack über ihnen ausgeschüttet, und die Farbe fließe nun von oben über Dächer und Fenster und Etagen. Es funkelt und glitzert, die Strahlen brechen und spiegeln sich in den Glasfassaden,  man muss die Augen kneifen, so gleißt es, als komme der Glanz aus der Stadt selbst: Magisch ist das, oder? Für einen kurzen Moment scheint Hongkong die Zeit festzuhalten. Als wolle es sichergehen, dass niemand diesen Augenblick verpasst. Als raune es so etwas wie "Achtung, hier bin ich - schaut mich an!".  Als werde es frisch ausgepackt aus Hafendunst und Morgennebel, ein bisschen gewienert, und anschließend für einen weiteren Tag zur Verfügung gestellt. Als werde es genau an diesem Morgen zum ersten Mal überhaupt geweckt. Und zwar nur für uns.

Na? Wunderschön ist das, oder? Dann komm, es wird Zeit. Gehen wir. Gehen wir hinunter in diese Stadt. Gehen wir nach Hongkong. Es gibt viel zu sehen.

Autor Stefan Nink fliegt, fährt und läuft für Magazine, Radiostationen und Buchverlage über den Planeten. Er hat Geschichte und Politikwissenschaft studiert (Schwerpunkt "Internationales Krisenmanagement"), bei der ARD volontiert und schreibt neben Reisethemen auch Essays, Kolumnen, Porträts und Techniktexte. Seine Reportagen wurden vielfach ausgezeichnet und in 17 Sprachen übersetzt.

Hier zum Angebot

Island Shangri-La,
Hongkong 5.5

Eines der Spitzenhotels der Shangri-La-Gruppe auf Hongkong Island. Das 56 Stockwerke hohe Hotel ist über Lift oder Rolltreppen mit dem Einkaufszentrum Pacific Place und der Straßenbahn verbunden.

Hotelinformationen