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Vita des Autoren

Jürgen Drensek, der Vorsitzende der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten, Fernseh-Journalist und erster Moderator des ARD-Morgenmagazins, ist seit Mitte der neunziger Jahre immer wieder in South Beach; lange als Teilhaber und Programm-Chef eines amerikanischen Lifestyle-TV-Senders.

Wortreisen

Ein Traum in Pastell und Bonbon
von Jürgen Drensek

 

Wenn der Abend dämmert in South Beach Miami, dann leuchtet der Catwalk der kleinen Eitelkeiten und lädt ein, sich aufzuhübschen und Teil einer glitzernden Inszenierung zu werden. Immer noch. Und die ganz wilden Jahre bleiben eine süße Erinnerung.

War es Liebe auf den ersten Blick? Würde zumindest Coco behaupten. Ich bin da eher skeptisch. Coco ist nämlich ein durchtriebenes Frauenzimmer; offensichtlich gewohnt, immer alles zu bekommen, was sie sich in den feschen Schleifchen-Kopf gesetzt hat. Die „Mama“, eine exilkubanische Schönheit, wahrscheinlich in der dritten Generation, und aus Little Havanna längst über den Mac Arthur Causeway hergesiedelt ins feine South Beach, bleibt in Sichtweite, lächelt, und führt Dauergespräche mit ihrem strassigen Mobiltelefon.
Coco flirtet, lässt nichts unversucht, mein Herz zu erweichen. Ich muss es zugeben, klar, sie hat Geschmack...! Jetzt halten Sie mich natürlich für grenzenlos eitel.

Aber bei Joe’s Takeaway gibt es wirklich die besten Stonecrabs. Und Curry-Reis-Salat, und eingelegte Garnelen. Mein Luxusdinner heute. Dazu ein schöner eiskalter kalifornischer Chardonnay. Leider in der braunen Papiertüte verhüllt. Die Amerikaner sind da sehr eigen unter freiem Himmel.
Seufz, es war wohl eher Liebe auf den ersten Biss. Ich hätte Coco nichts abgeben dürfen. Jetzt ist es aus mit dem beschaulichen Sundowner. Und das Schlimmste wäre, Coco petzt bei ihren haarigen Freunden. Same Procedure as every day. It’s Gassi-Time und Neighbourhood-Schwatz. Ich bin auf einmal hundertbeinig umzingelt an meinem absoluten Lieblingsplatz in Miami South Beach.

Südlicher geht es wirklich nicht mehr. South Point Park. Vor mir ist nur noch der Kanal. Und gegenüber spiegelt sich die Sonne in etlichen Villenfenstern auf Fisher Island. Sie wissen schon... „Promi-Insel“, hermetisch abgeschieden, Babs Becker und so. Puh. Öde.
Wenn ich Zeit habe, und ein schöner Sonnenuntergang kündigt sich an, komme ich um 17 Uhr her. Nicht immer mit Stonecrabs, aber immer mit Liegestuhl, Buch und IPod. Es ist der schönste Platz der Welt. Na ja, zumindest der von Miami Beach.  Denn ab 17 Uhr laufen die Kreuzfahrtschiffe aus dem Hafen von Miami. Und bevor sie ihren Schlenker machen Richtung Bahamas – drei Tage Mini-Kreuzfahrt - müssen sie an mir vorbei.
Riesig groß, ganz nah, ein wenig bräsig. Kleine Jet-Ski umschwirren sie und hüpfen über die Bugwellen. Limboklänge wehen vom Sonnendeck. Aufgekratzte Passagiere. Pina Colada aus Plastikkrügen. Ich dagegen habe Stonecrabs von Joe’s. Und das unvergleichliche South Beach im Rücken, das sich gerade aufhübscht für die anbrechende Nacht.

Als ich langsam durch die perfekt manikürte Dünenlandschaft zurückradele, wummert noch ein letztes Schiffshorn. Es waren fünf Kreuzfahrer heute. Die Neondekors leuchten schon vom Ocean Drive herüber. Nach Sonnenuntergang sieht der Flanier-Strip aus wie gemalt. Eine Orgie in Pastell und Bonbon.  Zwischen dem Boardwalk und dem Boulevard schneiden die Königspalmen schwarze Silhouetten in den flammenden Himmel. Das quietschig bunte karibische Art Deco setzt den Kontrapunkt und macht nach wie vor  einen auf dicke Hose.

Etwas wehmütige Erinnerungen an die ersten Jahren. La Cage aux Folles. Ein Käfig voller Narren. 1996 hier noch einmal verfilmt als Birdcage mit Robin Williams und Gene Hackman. Und ja! So war es damals hier. Was haben wir geschmunzelt über die „Boat and Bridge People“ – die Touristen vom Festland oder den Schiffen, die fasziniert-verstört Zaungast sein wollten beim all-abendlichen Catwalk.
Das war die Zeit, als jedes Model, das einen Job vor der Kamera haben wollte, nicht Heidi Klum brauchte, sondern einfach ein Apartment hier am Strand. Zwischen Oktober und April war SoBe der Ort mit der höchsten Bevölkerungsdichte der Welt an unverschämt schönen jungen Menschen. WAMPs haben wir sie zugegeben etwas neidisch genannt. Denn das waren sie. Alle. Waitors, Actors, Models... Prostitutes... Bruce Webber verknipste 100 Filme am Tag, Gianni Versace hielt Hof im News Café; weigerte sich aber standhaft und aus gutem Grund, dort zu essen.
Gerade huscht die 12. Straße vorbei. Wer hier in die Dünen abbog, betrat in den Augen fundamentalchristlicher Republikaner den Vorhof zur Hölle. Aber einen anscheinend sehr vergnüglichen Vorhof. Rund um die Regenbogenflagge des pinken Lebensretter-Turms versammelten sich an Sonnentagen tausende männlicher „Goldbroiler“. Knusprig und Fitness-Studio-gestählt. Gleichzeitig bester Schutzwall für die schönsten Mädels der Welt. Bauchansatz und Hängebusen schienen nicht zu existieren am Strand.

Aber man soll der Vergangenheit nicht hinterherradeln. Und zum Glück kann ich heute Leinenhose und weites Hemd tragen. Das Delano ist zwar immer noch eine edle Phantasiekulisse, die amüsiert. Aber wir dachten, nördlich der 20. Strasse hört die Welt auf. Tut sie nicht. Das LIV im wieder aus den Fünfzigern auferstandenen Fontainebleau ist gerade „the place to be“. Megavoll, megachic, megatrendy, Mega-Eighties. Mr Chow im W Hotel, STK im Gansevoort. Die New Yorker Ikonen haben ihre SoBe-Ableger bekommen. Wir sind erwachsen geworden. Und heute trifft man sich an der Bay Side. Da, wo früher nur die langweiligen Apartment-Blocks standen. Mittendrin und völlig unscheinbar von außen das Mondrian. Innen sieht es dann aus wie Philippe Starck Reloaded. Im Asia de Cuba ist abends Rushhour – mais très chic. Alice-in-Wonderland-Dekor, gutes Fusion-Essen und ein strahlender Pool für die nötige Inszenierung. Und am Horizont glitzert unverschämt die Skyline von Miami. The One-Million-Dollar-View. Das kann eben kein Ocean Drive bieten. Und niemand muss Klassik auflegen, nur, weil Madonna es wünscht. Hier ist immer große Oper.

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Mondrian South Beach,
Miami 6

Das vom bekannten holländischen Designer Marcel Wanders gestaltete Hotel bietet fantastische Ausblicke auf die Skyline Miamis sowie den Intracoastal Waterway, die berühmte Wasserstraße.

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