Abu Dhabi

Formel 1 mit dem Fahrrad

An zwei Abenden pro Woche ist Abu Dhabis Formel 1-Rennkurs auf Yas Islands exklusiv für Fahrradfahrer und Jogger geöffnet, Autos haben derweil Streckenverbot: Formel 1 mal ganz anders

Harold von den Philippinen ist Fahrradhändler in Abu Dhabi, hat seinen Arbeitsplatz in der Yas Shopping Mall inmitten von Bikes absolut jeder Machart, Größe und Farbe. Ultra-leichte Rennräder aus Deutschland, schwere Alltags-Drahtesel aus China, Mountain Bikes aus USA – alles da: Das Geschäft boomt – und die meisten seiner Kunden sind Araber. Sie haben Spaß an etwas gefunden, was vor ein paar Jahren eigentlich als etwas schräge Attraktion erfunden wurde: am Fahrradfahren auf dem fünfeinhalb Kilometer langen Formel 1-Rennkurs auf Yas Island.

Jeden Dienstag- und jeden Sonntagabend ab 18 Uhr ist die Grand Prix-Strecke der Emirate-Hauptstadt für Fahrradfahrer offen. Und für Jogger. Für Autos ist sie dann komplett gesperrt. Für erstere gibt es nur zwei Regeln: Sandalen sind nicht erlaubt. Und es gilt Helmpflicht. Alles andere ist Geschmacksache. Ob jemand nach Einbruch der Dunkelheit rasen mag, weil es endlich vier, fünf Grad kühler ist als noch kurz zuvor und das Thermometer nun nur noch Werte um die 30 Grad anzeigt. Oder ob er Ausflugstempo anschlägt, zwischendurch mal rechts ran fährt, das Fahrrad ins Gras legt und picknickt. Alles möglich, alles drin. Die wichtigste Regel nämlich ist: Jeder soll es so machen, wie es ihm am besten gefällt. 

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Kein Urlauber bringt sein eigenes Rad im Flieger mit, die Bikes werden vor Ort an der Strecke gegen eine geringe Gebühr verliehen, Helme ebenso. Die Einheimischen aber – und mit ihnen viele Ausländer, die sogenannten Expats, die länger in Abu Dhabi leben – sind auf den Geschmack gekommen, kaufen sich bei Harold auf Yas Island im Sportgeschäft plötzlich ein eigenes Fahrrad, strampeln damit plötzlich auch entlang der Corniche. Vor ein paar Jahren noch war so etwas undenkbar: „zu heiß hier“, hätte jeder gesagt. Dabei wird es nach Einbruch der Dunkelheit vor allem in den Wintermonaten stets lauer, und meist kommt eine erfrischende leichte Brise auf.

Seltsam entspannend ist so eine Runde über die Autorennstrecke, geradezu meditativ sogar. Denn das lauteste Geräusch ist das gleichmäßige Surren der Räder, ab und an kommt das Klicken der Gangschaltung hinzu. Die Kulisse ist dabei surreal: die menschenleeren Tribünen an der Zieleinfahrt der Rennstrecke, das Flutlicht, die ganz auf die Formel 1 ausgerichteten roten und weißen Markierungen auf dem absolut ebenen Asphalt. Diesen Abend freut sich plötzlich ein kleiner Junge auf Deutsch und ruft beim Überholen zum größeren Nebenmann: „Papa, eben war ich 25 Sachen schnell! Und ich bin erst acht!“

Fahrradhändler Harold hat unterdessen eine Werkstatt eröffnet, bietet Fahrradreinigung und -pflege für 300 Dirham an, umgerechnet rund 66 Euro. An seinen freien Tagen ist er oft selber auf der Grand Prix-Strecke mit dabei und dreht hier seine Runden – oder ist auf zwei Rädern weiter westlich in der Wüste unterwegs: auf einem Dirt Bike mit dicken Ballonreifen im Sand. „Ein Riesenspaß!“, sagt er. Wahrscheinlich der nächste große Trend.

Titelbild: Radfahrer anstelle von Rennpiloten auf Abu Dhabis Formel 1-Kurs © DCT Abu Dhabi

Weitere Fotos: © DCT Abu Dhabi (2), Helge Sobik (2)

joemanjiarts - stock.adobe.com

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Helge Sobik
Helge Sobik

Helge Sobik ist weit gereister Autor von mehr als 30 Büchern und begibt sich für uns auf die Suche nach dem ganz besonderen Luxus.