Japan

Tokio: Modernes Großstadtabenteuer

Riesige Straßenkreuzungen, immer höhere Wolkenkratzer, dazwischen Parks voller Kirschbäume und jahrhundertealte Tempel: Japans Hauptstadt Tokio ist ein Ort der Superlative. Autor Stefan Nink lässt sich von Viertel zu Viertel treiben – und entdeckt die Schönheit der Mega-City

Zuallererst muss man lernen, höflich abzulehnen: Sonst wird alles meist nur noch schlimmer. Zum Beispiel an einer dieser gigantischen Kreuzungen in Shibuya oder Shinjuku – wenn man dort ratlos den Stadtplan im Smartphone zu entziffern versucht und zwischendurch aufblickt, um sich zu orientieren. Die Hilfsbereitschaft ist tief verwurzelt im japanischen Charakter, deswegen stoppt ganz schnell ein freundlicher Passant, verbeugt sich und bietet seine Hilfe beim Auffinden der gesuchten Adresse an. Dennoch sollte man niemals den Rat freundlicher Passanten befolgen. Menschen, die in Tokio leben, kennen sich in Tokio in der Regel ebenso wenig aus wie in Hamburg oder Cochem an der Mosel. Zugeben würden sie das aber nie. Stattdessen führen sie Museumssuchende zu Fischmärkten, Shopper in Klostergärten und müde Touristen in eine Tanzschule, obwohl die doch einfach nur zurück ins Hotel wollten. Deswegen muss man lernen, höflich abzulehnen. Ist wirklich besser so.

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Wer zum ersten Mal in Tokio ist, fühlt sich sowieso leicht überfordert. Die Stadt ist riesengroß. Die Stadt ist höllenlaut. Man kann nichts entziffern. Man kann nichts verstehen. Glaubt sich zurück katapultiert in eine Zeit, in der man weder sprechen noch lesen konnte. Fühlt sich wie ein kleines Kind, das Rückschlüsse aus einem Lächeln oder einem Nicken zieht, während es mit großen Augen durch die Welt tappst. Und keine Ahnung hat, wo es eigentlich ist.

Das Schöne ist: Das ist alles nicht schlimm. Es ist nicht nur nicht schlimm – es gefällt einem, und nach einer Weile genießt man es, und am Ende der Reise findet man es toll. Weil man spätestens dann gemerkt hat, dass das wahre, echte, schöne Tokio – dass man das nur findet, wenn man sich auf die Stadt einlässt. Deswegen auch hier gleich der Hinweis, nein: die Aufforderung, sich treiben zu lassen in Tokio. Von Straße zu Straße, von Viertel zu Viertel.

Abseits der Wolkenkratzer

Ueno ist ein guter Ausgangspunkt für die Stadterkundung. Das ist gewissermaßen das alte Tokio, das ohne Shoppingmalls und Einkaufszonen und architektonische Himmelsstürmerei. Hier liegen die großen Museen der Stadt und die Universität in und um einen Park voller Kirschbäume. Die meisten Straßen abseits der Hauptachsen sind schmal und überschaubar, die Häuser flach und die Vor-, Innen- und Hinterhöfe einsehbar, weshalb man schön beobachten kann, wie man in Tokio so lebt, wenn man in einem Viertel wie Ueno lebt. Und bevor man es bemerkt, ist man angekommen in Tokio. Und kann sich langsam an den Rest der Stadt heran wagen.

Entlang der Yamanote-Linie

Um ihre Hauptstadt kennenzulernen, empfehlen Japaner Besuchern gerne eine Fahrt mit der Yamanote-Linie, deren Gleise sich kreisförmig um das gelegt haben, was man als Herzstück Tokios bezeichnen könnte. Egal, wo man aussteigt: Die Rolltreppen führen immer hinauf in eine besondere Ecke der Stadt. In Asakusa beispielsweise steht der berühmte Senso-ji Tempel, und wenn man sehen möchte, wie sich die japanische Architektur von damals in die von heute gemorpht hat, schaut man sich als nächstes das Tokyo International Forum in Marunouchi an – das ist – wie der Prada-Bau in der Omotesando-Straße – ein Meisterstück an graziler Gelassenheit und beschämt alles, was so in Berlin herumsteht. Ginza gleich nebenan ist übrigens das einzige Viertel der Stadt, dessen Namen man aussprechen kann, ohne grobe phonetische Fehler zu begehen. Es erinnert an eine auf Stadtviertelgröße aufgeblasene Fifth Avenue, mit gediegenen Modemacher-Filialen entlang der Hauptachsen und wirr eingerichteten Shops in den Nebenstraßen. 

Und dann? Einfach hingehen!

Tokio mag fremd und verwirrend sein und manchmal beängstigend durchgestylt, aber es ist auch höflich, nein: freundlich, und nach ein paar radebrechenden Worten fühlt es sich sogar warm an. In Geschäften jener Kategorie, in denen man in Paris oder London sofort von blasierten Verkäuferinnen verfolgt würde, passiert hier: nichts. Doch – man bekommt grünen Tee serviert. Und erzählt, dass die Electronic-Sounds, die aus den Lautsprechern in der Decke tröpfeln, dass die der Freund der Angestellten gemixt hat. Und wenn einem so etwas erst drei oder vier Mal passiert ist: Dann kommt einem dieses Tokio nach einer Weile sogar ein wenig vertraut vor.

Titelbild: Blick über das südliche Zentrum der Metropole mit dem roten Tokyo Tower, einem Nachbau des Eiffelturms © beeboys – shutterstock.com

Weitere Fotos: © f11photo, beeboys (3), mapman, show999, picture_cells, Sean Pavone, 7maru, Got Kom, Tupungato, ParrySuwanitch, Korkusung (alle shutterstock.com), Stefan Nink

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Bild: © Shuttertong – shutterstock.com

Stefan Nink

Stefan Nink schreibt Reisereportagen und Romane, fotografiert Menschen und Landschaften.