Italien

Rom abseits der Massen

Es müssen nicht immer das Kolosseum und der Petersdom sein: Zahlreiche Museen und Viertel in der ewigen Stadt abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten lohnen einen Besuch. Hier stellen wir einige vor

Es gibt Museen in Rom, die sind spektakulär, obwohl sie nur von wenigen besucht werden. Das Museo Centrale Montemartini, etwas abseits der Altstadt in Tiber-Nähe gelegen, gehört definitiv dazu. Zumindest seit das ehemalige Elektrizitätswerk Teile der Sammlung der Kapitolinischen Museen aufgenommen hat: Wo seit 1912 Strom für Rom produziert wurde, stehen nur seit ein paar Jahren alte Römer.

Die Kombination aus Industriedenkmal und antiker Kunst ergibt starke Kontraste: Marmorstatuen und Skulpturen posieren zwischen Getriebezahnrädern, gigantischen Kondensatoren und mächtigen Metallrohren. Zu den Highlights des Museums zählen die Giebelfiguren des antiken Tempels des Apollo Sosiano, im großen Maschinenraum sind Büsten zwischen den zwei riesigen Dieselmotoren aufgereiht. Nur wenige Besucher streifen durch die Räume, und es ist keine Legende: Weil so wenig los ist, schlafen die Aufpasser auch schon mal auf ihren Stühlen ein. 

Ein echter Wachmacher ist das „MAXXI“, ein paar Kilometer den Tiber hinauf, inmitten des alten Rom gelegen. In einer Stadt, in der die Antike zur DNA gehört, ist die radikale Moderne ein echter Hingucker. Das Meisterwerk von Stararchitektin Zaha Hadid wirkt da fast wie von einem anderen Planeten: Buchstäblich schräg, kommt das Museum für die Kunst des 21. Jahrhunderts – als Wortspiel kurz „MAXXI“ genannt – ohne rechte Winkel und senkrechte Wände aus. 

Schon der Eingangsbereich ist ein Kunstwerk für sich: Eine hohe Halle, in der sich Korridore und Treppen treffen, die allesamt zu schweben scheinen. Ein paar Meter weiter und schon ändert sich die Perspektive aus weißen Leuchtflächen, grauem Beton und schwarzen Stahlverkleidungen komplett. Schon hier finden sich unter anderem Exponate von Künstlern wie Francesco Clemente, William Kentridge, Mario Merz oder Gerhard Richter. Im Café gegenüber vom kleinen Hauptplatz kann man den ganzen Bau bei einem inspirierenden Espresso  auf sich wirken lassen. Oder vor der Tür einfach im Gras liegen.

Nach einem erholsamen Schläfchen vor dem MAXXI lohnt ein Spaziergang zur Villa Borghese. Der eifrige Kunstsammler Scipione Borghese, der nebenbei auch Kardinal war,  ließ Anfang des 17. Jahrhunderts die ursprüngliche Villa Scipione für sich umgestalten. Drinnen zeigt die „Königin aller privaten Kunstsammlungen“ Gemälde von Caravaggio, Botticelli und Raffael sowie einige spektakuläre Skulpturen von Gian Lorenzo Bernini. Drumherum liegt ein traumhaft schöner Park. Wer den am nordöstlichen Ende verlässt, landet in Via Metauro im Viertel Pariolo. 

Dort ist jeden Wochentag bis Mittag Markt und die Obst- und Gemüsehändler stapeln in der engen Straße ihre Kisten mehrere Meter hoch. In einer Seitenstraße ist die „Modeabteilung“ – ein Kleidermarkt unter freiem Himmel. Am Ende der Via Metauro überquert man die Viale Regina Magherita und landet im Quartiere Coppedè. Gino Coppedè hat zwischen 1913 und 1927 dort 18 Palazzi und Villen entworfen. Einige dieser regelrechten Stadtpaläste aus einem sehenswerten Mix von Jugendstil und Barock stehen an der Piazza Mincio mit dem hübschen Froschbrunnen. 

Noch einen Kilometer weiter im Osten, nur ein paar Meter entfernt von der breiten Via Nomentana, kann man buchstäblich abtauchen in die Zeit des frühchristlichen Roms. Unter der Kirche Santa Costanza, erbaut im vierten Jahrhundert n. Chr. zur Zeit Konstantins des Großen, liegt in einem Labyrinth aus Katakomben die heilige Agnes begraben. Auch hierhin kommen nur wenige Rombesucher, stattdessen vertreiben sich die Rentner im kleinen, parkähnlichen Areal der Kirche, die Zeit mit Kartenspielen.

Der besondere Tipp

Wer viel rumkommen will in der Stadt, kommt um den Roma-Pass nicht herum. Für 28 Euro (48 Stunden) oder 38,50 Euro (72 Stunden) hat man freie Fahrt in den öffentlichen Verkehrsmitteln, dazu gibt es viele Vergünstigungen für Museen (die ersten sind gratis) und Sehenswürdigkeiten.

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Titelbild: Blick von der Ponte Umberto über Tiber und Petersdom © Dietmar Denger

© Fotos: Dietmar Denger (11), fabiomax – stock.adobe.com, Angelo Calvino – stock.adobe.com, ValerioMei – stock.adobe.com

Dietmar Denger

Dietmar Denger reist als Reporter und genialer Fotograf schon seit vielen Jahren durch die Welt. Hier stellt er seine Lieblingsorte vor.

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