Thailand

Bangkok: Auf der Spur des Seidenkönigs

Jim Thompson, amerikanischer Designer, verhalf Thailands Seide zu neuem Glanz auf den Bühnen der Welt. In seinem Anwesen im Zentrum von Bangkok sammelte der Unternehmer zudem wertvolle Kunst aus dem ganzen Land. Ein Ortstermin

Vom anderen Ufer des Klong Saensaep, dort, wo seine Arbeiter wohnten: Von dort hat man den besten Blick. Wie ein asiatisches Dornröschenschloss thront Jim Thompsons Haus am anderen Ufer, ein bildschönes Ensemble spitzdächiger Teakhäuser in einem tropischen Garten. Selbst mittags, wenn die Sonne durch die Ritzen des Gebälks in die Hängematten kriecht, liegt die Veranda im Schatten. Abends kommt meistens Wind auf. Dann knarrt der Schaukelstuhl. Der in der Ecke, auf dem der Seidenkönig immer gesessen hat.

Wer war dieser Amerikaner, dessen Haus heute eines der beliebtesten Museen Bangkoks ist, und der 1967 spurlos verschwand? Ein Ex-Architekt und Ex-Agent: ja. Ein Ex-Gatte: auch das. Einer, der mit 40 noch einmal ein neues Leben anfangen wollte und nach Bangkok zog. Und sich in das Land verliebte, das ihn nicht wieder loslassen sollte. Jetzt war Jim Thompson einer, der sich sorgte: Um die verschwindende Kultur seiner neuen Heimat. Um Thailands traditionellen Teakhäuser und um seine Kunstschätze. Und um die Thai-Seide. Ende der Vierziger entdeckte Thompson den Stoff, von dessen Herstellung damals in ganz Thailand noch etwa hundert Menschen lebten. Fünf Jahre später waren es 20.000: Jim Thompson hat die „Thai Silk Company“ gegründet.

Das Unternehmen florierte: Anfangs warb sein Gründer, indem er sich mit ein paar Bahnen seines farbenprächtigen Stoffes mitten in die Lobby des Oriental Hotels stellte. Später machten andere Werbung für ihn: Thailands damalige Königin Sirikit, die Chefredakteurinnen von Elle und Harper’s Bazaar. Und Yul Brunner, im Broadway-Musical „Der König und ich“, bei dem die Kostüme der Darsteller aus Thaiseide geschneidert waren. New York liebte den verführerisch glänzenden Stoff. Und was New York liebt, liebt irgendwann auch der Rest der westlichen Welt.

Und Thompson? Thompson verbrachte zehn Stunden täglich bei seinen Webern, drüben, auf der anderen Seite des Klongs. Den Rest der Zeit stöberte er bei Bangkoks Antiquitätenhändlern – nach der Seide wollte er auch die Kunst Thailands retten. Nach und nach füllte er sein Haus mit Schätzen. Die Seidenmalereien mit den religiösen Motiven, wenn man hineinkommt ins Museum gleich rechts, waren die ersten Stücke. Dann kamen die Buddha-Statuen. Damit er alles unterbringen kann, besorgte er Truhen, Kommoden, Vitrinen, jede für sich ein Kunstwerk in einem Gesamtkunstwerk. Selbst die Gebäude selbst sind Raritäten, Thompson hat sie im Norden Thailands erstanden. Man kann diese Teakhäuser auseinander- und anderswo wieder zusammensetzen, es gibt keine Nägel und keine Schrauben. Die gewaltigen, von zwei Jahrhunderten nackter Füße polierten Teakbohlen kamen per Boot den Chao Praya hinab, die Arbeiter wiederum fuhren hinten auf dem Lastwagen nach Bangkok: Die erste Autofahrt ihres Lebens war Teil ihrer Lohnforderung an diesen verrückten Westler.

1967 flog Jim Thompson in Urlaub. Mit Freunden, nach Malaysia. Nachmittags wollte er sich die Beine vertreten. Nur für ein paar Minuten. Später sagte man, ein Tiger hätte ihn geholt. Oder der chinesische Geheimdienst. Jim Thompson wurde nie gefunden. Er wäre heute weit über hundert. Drüben, am anderen Ufer, warten sie trotzdem noch immer auf ihn.

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Titelfoto: Im Norden Thailands kaufte Jim Thompson die mittlerweile mehr als 200 Jahre alten Häuser aus Teakholz © Stefan Nink

© Weitere Fotos: Stefan Nink (8)

Stand der Informationen: 11.03.2020. Die verbindliche Beschreibung der bei airtours buchbaren Leistungen finden Sie in der Buchungsstrecke der tui.com.

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Bild: © TWStock – shutterstock.com

Stefan Nink

Stefan Nink schreibt Reisereportagen und Romane, fotografiert Menschen und Landschaften.

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