Österreich

Wien kann auch modern

Mit dem Museumsquartier ging es einst los: Die Wiener Stadtansichten werden jünger, szeniger, moderner

Ortstermin auf dem Campus der neuen Wirtschaftsuniversität (WU) in Wien. Moderner, frischer könnte die Umgebung auf einem Uni-Gelände kaum sein. Das Café im Bibliothekszentrum der WU wirkt wie die futuristische Kommandozentrale der NASA. Wir befinden uns im Herzstück des Campus, das noch von der weltberühmten (und 2016 verstorbenen) Architektin Zaha Hadid geplant und binnen fünf Jahren kompromisslos umgesetzt wurde. Ins Auge fällt hier vor allem das imposant auskragende Dach und die weiß geschwungenen, weichen Aufgänge im Inneren des Gebäudes, die an einen Ozeandampfer erinnern. So oder ähnlich könnte auch ein neues Guggenheim-Museum aussehen. Abzüglich der vielen Studenten natürlich, die in lichten, verglasten Hightech-Kammern hinter ihren Laptops hocken – oder eben in einem der zahlreichen Cafés auf lässigem Lounge-Mobiliar ausspannen. 

„Die Wirtschaftsuniversität ist über Jahrzehnte hinaus ein architektonisches Leuchtturmprojekt für die Stadt“, sagt Beate Bartlmä, die regelmässig architektonische Führungen auf dem Campus anbietet: „Hier werden sich nicht nur die 25 000 Studenten aufhalten, die in der WU Platz finden. Das hier werden sich auch Touristen aus aller Welt ansehen.“ Das hier, damit meint die Architektin ein Großprojekt internationalen Ausmaßes: Sechs renommierte Planer aus aller Welt haben seit 2008 knapp 500 Millionen Euro verbaut. Nach dem Konzept des Wiener Büros BUSarchitektur entstanden sechs Gebäudekomplexe, geplant auch von sechs verschiedenen Architekten. Beeindruckend.

Doch nur ein Beweis, wie wenig man Wien gerecht wird, wenn man nur seine traditionelle Fassade wahrnimmt. „Ich könnte eine Woche lang jeden Tag Orte und Gebäude zeigen, die man nur schwer mit der konventionellen Vorstellung von Wien in Einklang bringen dürfte“, sagt Beate Bartlmä, „das fängt schon mit dem Wurm auf dem Dach des Hotel Daniels an.“ Sie zeigt dabei auf das ehemalige Verwaltungsgebäude von Hoffmann La Roche in Wien, 1962 erbaut, ein radikaler Glas-Leicht-Metall-Kubus mit der frühesten erhaltenen Curtainwall-Fassade in Österreich. Da ist er, der geheimnisvolle Wurm: Ein blau-weißes Segelboot, das der Wiener Künstler Erwin Wurm über die Kante des Flachdachs hinausgeschoben hat, so als würde es im nächsten Moment abstürzen. Das ist Kunst, kann also nicht weg und ist hier – in Sichtweite von Schloss Belvedere – mehr ein symbolisches Statement als ästhetischer Gewinn: Wir in Wien können auch anders! 

Das kann auch die deutsche Journalistin Katja Weiland bestätigen, die seit einigen Jahren in Wien lebt. Beim Treffen im angesagten „Glacis Beisl“ gleich in der Nähe des populären Museumsviertels erzählt sie von Orten mit so obskuren Namen wie der „Pratersauna“ oder der „Grellen Forelle“ – beides Musikclubs in Wien, in der sich die internationale Techno, House- und Hip-Hop-Szene zuhause fühlt. Sie erzählt von korrekten Läden wie dem „Phil“ in der Gumpendorfer Straße – ein Café mit hohem Literatenanteil –  und einem hippen Beachclub namens „Tel Aviv“. Am Abend nehmen wir noch ein Getränk zur Nacht im „Sofitel / Das Loft“. Zum einen, weil das junge Hotel mit seiner populären Bar ebenfalls als ideale Referenz neuer urbaner Architektur mit einem perfekten Panorama-Blick über die Donau glänzt. Zum anderen kann man bei der Gelegenheit gleich einen Blick an die Decke des Restaurants werfen: Die ist nämlich von der Künstlerin Pipilotti Rist als spaciger Farbenhimmel gestaltet worden und ein Pflichttermin für Kunstfreunde im öffentlichen Raum – auch wenn man dafür hoch hinaus in den 18. Stock fahren muss.

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Titelbild: Das von Zaha Hadid entworfene „Library & Learning Center“ auf dem Campus der Wirtschaftsuniversität Wien © Wien Tourismus/Christian Stemper

Weitere Fotos: © Sabine Braun (4), Wien Tourismus/Christian Stemper (2), A. Karnholz – stock.adobe.com

Harald Braun

Harald ist weit gereister Reporter und Schriftsteller. Am liebsten ist er übrigens mit Sabine unterwegs – seiner Frau, die eine hervorragende Fotografin ist.

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